Nachrichten aus der PVS Südwest

Aktuelle Nachrichten

Neues aus dem Unternehmen

Neben frischen Informationen zum Unternehmen PVS Südwest dokumentieren und kommentieren wir hier für Sie die wichtigsten berufspolitischen Entwicklungen rund um die privatärztliche Tätigkeit.

Feldzug gegen die privatärztliche Versorgung durch die Hintertür?

Interview mit PVS-Vorstand

Die Privatärzte bleiben bei den Corona-Impfungen erst einmal außen vor. Angesichts des knappen Impfstoffs erst einmal eine nachvollziehbare Entscheidung aus dem Hause Spahn – oder eine nicht zu rechtfertigende Ungleichbehandlung? Der änd sprach über das Thema mit dem Vorstandsvorsitzenden des PVS-Verbandes, Dr. med. Christof Mittmann.

Dr. Christof Mittmann, PVS Verband

Mittmann: "Die weiteren Schritte der Pandemiebekämpfung müssen dringend auf eine breitere gesellschaftliche Basis gestellt werden."

(c) PVS-Verband

Herr Dr. Mittmann, wir erreichen bei den Corona-Impfungen nun eine zweite Stufe: Auch die Arztpraxen beteiligen sich an den Impfungen. Ein überfälliger Schritt?

Mehr als überfällig. Wir stehen – was die Durchimpfung der Bevölkerung angeht – immer noch im unteren europäischen Drittel, was angesichts der eigentlich dafür optimal vorhandenen Infrastruktur in Deutschland mit seinen wohnortnah gelegenen Praxen geradezu irrwitzig anmutet. Hier wird Jahr für Jahr bewiesen, dass es in kurzer Zeit gelingen kann, einen erheblichen Teil der Bevölkerung unter anderem gegen die saisonale Grippe zu impfen. Und dennoch waren bislang bürokratieüberladene Impfzentren das Mittel der Wahl. Angesichts des immensen Problemdrucks verstehe das wer will. Insoweit weist der Schritt, die hausärztlichen Kollegen nun in die Impfstrategie einzubeziehen, in eine richtige Richtung, wenngleich wir es uns natürlich wünschen würden, dass die fachärztlichen Kolleginnen und Kollegen gleichermaßen einbezogen würden. Ein Umstand, der angesichts der nach wie vor nicht in ausreichendem Maße verfügbaren Impfstoffmengen allenfalls sehr kurzfristig tolerabel erscheint.

Die Privatpatienten und rein privatärztlich tätigen Praxen scheinen in den Überlegungen der Politik bislang noch nicht vorzukommen. Haben Sie Verständnis für ein solches Vorgehen?

Selbstverständlich steht vom Grundsatz her auch Privatpatienten der Weg zu einem kassenärztlich tätigen Hausarzt offen, um eine Impfung zu erhalten. Aber nach den jetzt geltenden Bestimmungen eben nicht bei einem rein privatärztlich tätigen Hausarzt, weil dieser nach Weisung des Ministers ausdrücklich keinen Impfstoff für seine Patienten bekommen darf, wie oben angeführt ja auch die Fachärzte nicht. Dies halten wir für skandalös, weil es schlicht kein Argument geben kann, warum nun manche privat versicherten Patienten auf diese Weise gezwungen werden, sich einen anderen Hausarzt zu suchen. Hier wird ein unter Umständen über Jahre aufgebautes Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Arzt völlig entwertet, obwohl dies gerade im Hinblick auf die Priorisierung von Patienten und das Monitoring eventueller Impfrisiken von so elementarer Bedeutung wäre. Nehmen wir aber einmal an, dem Patienten gelingt es, einen neuen Hausarzt zum Zwecke der Impfung zu finden und auch dort einen Termin zu bekommen. Er würde in der Warteliste zur Impfung mit hoher Wahrscheinlichkeit nach unten rutschen, weil natürlich jeder Arzt zunächst die Patienten versorgen wird, die er selbst seit Jahren gut kennt. Man wird den Eindruck nicht los, dass hier durch die Hintertür ein Feldzug gegen die privatärztliche Versorgung stattfindet.

Wäre es – im Vergleich zu den Vertragsarztpraxen – organisatorisch schwieriger, die Privatärzte in ein Impfkonzept einzubingen?

Nein, aus meiner Sicht wäre dies nicht der Fall. Schon heute gibt es zuweilen solche Überschneidungen zwischen der privatärztlichen und der kassenärztlichen Versorgung. Man denke nur an die Beteiligung der Privatärzte am kassenärztlichen Notdienst, wozu diese zwangsverpflichtet sind. Im Wege eines Ersatzverfahrens könnte selbstverständlich auch ein rein privatärztlich tätiger Hausarzt über eine KV sein Honorar erhalten. Im Übrigen sprechen wir ja nicht einmal von einer regulären Kassenleistung nach EBM- Grundsätzen, sondern von einer Pauschale in Höhe von 20 Euro pro Impfung, die direkt aus dem Topf des Bundes bezahlt wird.

Der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) hat darauf hingewiesen, dass die Betriebsärzte bei den Impfungen nicht vergessen werden sollten. Stimmen Sie dem zu? Warum wäre das wichtig?

Auch dies ist natürlich völlig richtig und belegt noch einmal den eigentlichen Skandal, dass bis heute nicht nur zu wenig Impfstoff zur Verfügung steht, sondern auch politisches Kalkül den Versorgungsgesichtspunkt überlagert hat. Man möge sich einmal in Erinnerung rufen, worin die Funktion des Betriebsarztes besteht, wenn nicht in der Gruppenprophylaxe, dem Erhalt der Gesundheit und der Arbeitsfähigkeit von zum Teil erheblichen Personenzahlen. Kurz: Sie wären sicher an vorderer Front in die Pandemiebekämpfung einzubeziehen. Auch dies lässt einen schalen Beigeschmack zurück.

Zusammenfassend: Was würden Sie der Politik nun raten – wie müssten die Gesetze geändert werden?

Ich würde vor allem raten, dass man wegkommt von niedrigschwelligen Verordnungen und wieder den Bundestag stärker einbezieht und zum Zentrum der Entscheidungen macht. Offenkundig ist die Regierungskoalition mit ihrem Latein, wenn nicht am Ende, so doch zumindest in mehreren Sackgassen gefangen. Die weiteren Schritte der Pandemiebekämpfung müssen dringend auf eine breitere gesellschaftliche Basis gestellt werden, damit die Bevölkerung bereit ist mitzugehen. Das gilt im Übrigen auch für die Informationspolitik der Bundesregierung, die nicht von der jeweiligen Situation bestimmt wird, sondern sich an dem bestehenden Mangel orientiert. Daraus ergeben sich mit der Zeit Widersprüche, die in Folge nur als Ziel- und Ratlosigkeit interpretiert werden können. Mit Sorge betrachte ich den heraufziehenden Wahlkampf im Hinblick auf die bevorstehende Bundestagswahl.


07.04.2021 09:38, Autor: js, © änd Ärztenachrichtendienst Verlags-AG Quelle: www.aend.de/article/211463

GOÄcetera – der PVS Podcast zur Privatabrechnung

Im Gespräch mit wechselnden Gästen gibt GOÄcetera – der PVS Podcast – Antworten, Tipps und Empfehlungen rund um das Thema Privatabrechnung.

Zentrales Thema von GOÄcetera ist natürlich die Privatabrechnung nach GOÄ. Aber auch weitere Kernbelange der Privatabrechnung – vom Fokus Privatpatient über das Medizinrecht in der Privatpraxis bis zur Forderungs- und Liquiditätssicherung – wollen wir im PVS Podcast behandeln.

Um den gerade bei der Privatabrechnung nach GOÄ häufig tagesaktuellen Ereignissen und Situationen gerecht zu werden, erscheinen alle vier Wochen neue Podcast-Folgen von GOÄcetera. Immer dabei: Unsere Experten im Podcast-Gespräch – praktizierende Ärztinnen und Ärzte sowie die Fachleute zur Privatabrechnung aus PVS und Politik. So entsteht Information auf den Punkt: kompakt, spannend, praxisrelevant.

MOMENTUM! – Mitgliederinformation der PVS Südwest

MOMENTUM! – die Mitgliederinformation der PVS Südwest – bereitet regelmäßig die für Ihre Privatabrechnung relevanten Themen für Sie auf. Wir bringen Fakten zur wirtschaftlichen Entwicklung, geben Hinweise zur Optimierung der Praxisorganisation und helfen mit konkreten Tipps zur GOÄ- und Rechtsanwendung.

Ausgabe Winter 2020/3


Themen dieser Ausgabe:

Im Fokus: Spartipps für Ihre Privatabrechnung

Medizinrecht: Ausnahmen bei der Minderjährigenregelung

Ärztliche Gemeinschaft: PVS Podcast-Reihe GOÄcetera

GOÄ-Abrechnung: Ambulante Auslagenberechnung

Im Fokus: Quo vadis Privatmedizin?

Von der Bürgerversicherung bis zur GOÄ 2.0: Zur Zukunft der Privatmedizin waren selten so viele Bälle gleichzeitig in der Luft wie heute. Und jetzt wird es wohl auch neue Regierungsbeteiligte geben. Müssen wir uns Sorgen machen? Unser Kommentar blickt auf die aktuelle gesundheitspolitische Diskussion speziell aus der privatärztlichen Sicht – und findet in dem mehr oder weniger rationalen Pro und Contra durchaus auch Chancen zur positiven Gestaltung der privatärztlichen Zukunft.

Zwischen GOÄ 2.0 und Bürgerversicherung: Quo vadis Privatmedizin?

Zur Zukunft der privatärztlichen Tätigkeit waren selten so viele Bälle gleichzeitig in der Luft wie heute. Und dann gibt es wohl auch noch neue Regierungsbeteiligte. Müssen wir uns Sorgen machen?

Gefühlt schon mindestens zum fünften Mal tauchte pünktlich zur Bundestagswahl auch dieses Jahr wieder das Stichwort „Bürgerversicherung“ in diversen gesundheitspolitischen Wahlprogrammen auf. Wie toll muss die Idee der Einheitsversicherung mit gleichen Leistungen für alle eigentlich sein, dass man sie so oft gebetsmühlenartig wiederholt?

Schlechte Argumente bleiben schlechte Argumente

Wahrscheinlich fällt den vorgeblichen „Gerechtigkeits“-Protagonisten aber einfach nichts Besseres ein. Denn dass das Einheitsmodell alles andere als gerecht ist, müsste sich inzwischen doch herumgesprochen haben. Schließlich entzieht die Bürgerversicherung dem System genau an den Stellen die finanzielle Grundlage, die auf Dauer für alle Patienten am wichtigsten sind: bei den ärztlichen Honoraren und beim medizinischen Fortschritt.

Die aktuelle Studie des PVS-Verbandes zur Bedrohung der medizinischen Infrastruktur durch die Bürgerversicherung belegt das eindrucksvoll. Allein für den niedergelassenen Bereich berechnet sie ein Honorarminus von 6 Mrd. Euro jährlich. Wie sonst als durch drastisch reduzierte Qualitätsinvestitionen in Technik, Personal und Praxis soll das aufgefangen werden? Zumal von außerhalb des engen Korsetts des „notwendigen“ Einheitsleistungskatalogs auch keine Qualitätsanreize mehr kommen. So nimmt man einer zukunftsfähigen, allen Patienten zugänglichen Qualitätsmedizin konsequent jede Perspektive.

Neue Taktik ist auch nicht besser

Tatsächlich mehren sich zuletzt auch im Pro-Lager die Stimmen, die der Bürgerversicherung in der bisherigen Form keine Chance mehr geben. Stattdessen werden „weiche“ Varianten entwickelt, bei denen der Weg zum Ziel nach Salamitaktik über mehrere Schritte führt.

Inzwischen schon wieder verworfen dürfte dabei die Idee sein, Patienten, die mehr Leistung wollen, einen Ausweg über Zusatzversicherungen und Zuzahlungen zu ermöglichen. Schließlich hat dieses Modell bei näherer Betrachtung vor allem einen Effekt: Es schafft echte Zweiklassenmedizin, weil hier auf die solidarische Querfinanzierung von Kassenleistungen durch Privatleistungen verzichten werden kann.

Umso ernster sind diejenigen zu nehmen, die „nur“ das heutige Nebeneinander der beiden Vergütungssysteme EBM und GOÄ abschaffen wollen. Man fordert eine einheitliche Gebührenordnung, in deren Rahmen, so das Grundprinzip, es dann unabhängig vom Versichertenstatus des Patienten für die gleiche Leistung das gleiche Honorar gibt. Das genüge zum einen den Gerechtigkeitsanforderungen und sichere zum anderen den Fortbestand der heutigen 2-Säulen-Finanzierung.

Aber auch diese Richtung hält bei näherer Betrachtung nicht stand. Denn wie auch immer diese einheitliche Gebührenordnung aussehen mag, sie scheitert an der Finanzierung. Jede Lösung auf „Kassenniveau“ geht zulasten der ärztlichen Honorare. Und jede Lösung mit Honorarausgleich braucht entweder private Selektivverträge und Öffnungsklauseln nach oben (Warum dann überhaupt vom heutigen System wechseln?). Oder dem Kassensystem müssen schnell neue Mitgliedergruppen und Einnahmequellen zugeführt werden (Ja, bis wieder alle Bürger dort versichert sind!).

Das System aus sich heraus reformieren

Im Grunde hat die Ärzteschaft im Augenblick eine einmalige Chance, die Zukunft ihres Berufsstandes noch weitgehend in den eigenen Händen zu behalten. Denn trotz hochschlagender gesundheitspolitischer Wellen, ist ja auch ruhigeres Fahrwasser durchaus in Sichtweite.

Der Schlüssel dazu heißt – mit allen Vor- und Nachteilen – „Neue GOÄ“. Genau mit diesem Projekt lässt sich beweisen, dass Selbstverwaltung funktioniert und das System aus sich heraus reformierbar ist. Es gibt schon zu viele Politiker, die verordneten Lösungen nur deshalb das Wort reden, weil sie an der Gestaltungsfähigkeit der Ärzteschaft zweifeln.

Holen wir sie wieder auf unsere Seite!